Auszahlung der Liquidationsrücklage: Besteuerung ab wann und wie?

Rani Van Lysebeth
Steuerberatung

Die Gewinne Ihrer Gesellschaft können Sie jährlich ausschütten, aber das ist steuerlich nicht so interessant. Besser ist es, sie als Liquidationsrücklage in Ihrer Bilanz zu verbuchen. Die Rücklage, die Sie im Geschäftsjahr 2020 angelegt haben, dürfen Sie 2026 erstmals zu einem Steuersatz von 5% auszahlen. Das ist erheblich günstiger als die Steuer von 30% auf eine gewöhnliche Dividende. Anders als es der Name vermuten lässt, brauchen Sie Ihre Gesellschaft nicht erst aufzulösen.

Was ist eine Liquidationsrücklage?

Wie bei einer einfachen Rücklage dient eine Liquidationsrücklage als eine Art internes Sparkonto für Ihr Kapital. Sie können das zusammengesparte Geld jederzeit zur Auszahlung von Dividenden verwenden. Darauf werden Sie bis zu zweimal besteuert: 

  • ein erstes Mal beim Anlegen der Liquidationsrücklage: Sie zahlen die normale Gesellschaftssteuer + eine Sondersteuer von 10%.
  • ein zweites Mal bei der Auszahlung der Liquidationsrücklage: Sie tragen 20%, 17% oder 5% Mobiliensteuervorabzug abhängig vom Zeitpunkt, zu dem Sie die Rücklage auszahlen.

 

Ab wann dürfen Sie die Liquidationsrücklage auszahlen?

Der erste Gewinn, den Sie als Liquidationsrücklage in der Bilanz verbuchen konnten, war die des Steuerjahrs 2015 (Einkommensjahr 2014). Haben Sie für dieses Jahr eine Rücklage angelegt, dann können Sie diese nach 5 Jahren zum Vorzugssteuersatz von 5% auszahlen. Ab dem 1. Januar 2020 also, wenn Ihr Geschäftsjahr mit dem Kalenderjahr übereinstimmt.

Die Wartezeit von 5 Jahren beginnt am ersten Tag, der auf das Geschäftsjahr folgt. Der letzte Tag des Geschäftsjahrs, der so genannte Bilanzstichtag, bestimmt also den Beginn der Wartezeit. Zahlen Sie die Liquidationsrücklage früher aus, dann zahlen Sie statt 5% 17% Steuern. Achtung, die seit dem Steuerjahr 2018 angelegten und während der Wartezeit von 5 Jahren ausgezahlten Liquidationsrücklagen unterliegen einem Mobiliensteuervorabzug in Höhe von 20%.

Aus dieser Übersicht wird es für das Steuerjahr 2021 ersichtlich:

Bilanzdatum 20% Mobiliensteuervorabzug 5% Mobiliensteuervorabzug Auflösung/Liquidation der Gesellschaft
31. Dezember 2020 Gewährung der Dividende bis zum 31. Dezember 2025 Gewährung der Dividende ab dem 1. Januar 2026 0%, sogar wenn Sie die Gesellschaft während der Wartezeit von 5 Jahren auflösen 
31. März 2021 Gewährung der Dividende bis zum 31. März 2026 Gewährung der Dividende ab dem 1. April 2026
30. Juni 2021 Gewährung der Dividende bis zum 30. Juni 2026 Gewährung der Dividende ab dem 1. Juli 2026
30. September 2021 Gewährung der Dividende bis zum 30. September 2026 Gewährung der Dividende ab dem 1. Oktober 2026

Stimmt das Geschäftsjahr Ihrer Gesellschaft mit dem Kalenderjahr überein, dann dürfen Sie die Liquidationsrücklage für 2020 ab dem 1. Januar 2026 auszahlen. Endet das Geschäftsjahr am 30. Juni 2021, dann dürfen Sie die Rücklage erst ab dem 1. Juli 2026 auszahlen.

Achtung, wenn Sie in Ihrer Gesellschaft mehrere Liquidationsrücklagen angelegt haben, dann dürfen Sie nicht wählen, welche Liquidationsrücklage Sie zuerst auszahlen. Die Auszahlung muss vorschriftsgemäß im FIFO-Verfahren erfolgen („first in, first out“ - zuerst rein, zuerst raus).

Doppelter Auszahlungstest

Seit dem 1. Januar 2020 unterliegt die Auszahlung der Dividende einem doppelten Auszahlungstest: der Bilanztest und der Liquiditätstest. Sie dürfen die Liquiditätsrücklage also nur auszahlen, wenn: 

  • die Auszahlung der Dividende nicht zur Folge hat, dass die Nettoaktiva unter eine Mindestgrenze fallen (Bilanztest).
  • die Gesellschaft ihre fälligen Verbindlichkeiten während mindestens 12 Monaten nach der Auszahlung weiterhin bedienen kann (Liquiditätstest). 

Beide Tests sind u. a. für die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH), nicht aber für die Kommanditgesellschaft (KG) und die offene Handelsgesellschaft (OHG) Pflicht. Unsere Berater betreuen Sie gern in ihrer Durchführung und der Abfassung der Protokolle.

Liquidationsrücklagen zu 0% auszahlen?

Geht! Sogar während der Wartezeit von 5 Jahren. Dann müssen Sie Ihre Gesellschaft allerdings endgültig schließen, indem Sie sie auflösen und liquidieren.

Achtung! Wenn Sie die Gesellschaft nur auflösen, um die Liquidationsrücklage zu 0% auszahlen zu können, und dann eine neue Gesellschaft mit genau derselben Aktivität und denselben Personen gründen, wird dies vom Finanzamt als Steuermissbrauch betrachtet. Das sollten Sie also besser vermeiden.

 

Haben Sie Fragen zu oben genannten Pflichten? Wenden Sie sich unbedingt an einen SBB-Berater in Ihrer Nähe. Er oder sie hilft Ihnen gern weiter.